Liebe verbindetChristliche Gemeinde Ostbevern e.V. 
Am Asowschen Meer angekommen, waren wir schlapp wie abgemurkste Kaninchen. Wir bauten unsere Zelte auf und erkundeten das restliche Lager, bis wir uns dann heilfroh an den Tisch setzen und endlich, nach drei Tagen Fahrt etwas Warmes zu uns nehmen durften. Als Ich allerdings dann das Essen erblickte, verging mir so langsam der Appetit. Vor mir stand eine sogenannte Fischsuppe. Diese Fischsuppe war aber nichts anderes als Fett, mit Kartoffeln und einem gebratenem Fischkopf, der nur danach schrie aufgegessen zu werden. Nach einer erholsamen Nacht in unserem Zelt, und einem mehr als herzhaften Frühstück, bereiten wir alles für die Ankunft der Waisenkinder vor.

Als die 80 Kinder, darunter auch etwa 20 mit Behinderung angekommen waren und gegessen hatten, kam es zu den ersten Annäherungsversuchen. Die Kinder waren sehr offen und liebevoll. Die anfangs vorhandenen Sprachschwierigkeiten schienen sich mit der Zeit in der reinen ukrainischen Luft aufzulösen. Mit der gerade angesprochenen Zeit, mussten dann allerdings auch Bedürfnisse gestillt werden. So mussten wir uns, Wohl oder Übel, auch mit dem Plumpsklo anfreunden. Als ich das erste Mal dieses Gestell aufsuchte, band ich mir ein mit tonnenweise Parfüm besprühtes Stofftuch um die
Nase, um bloß kein Risiko einzugehen. Betrat man den Ort des Grauens, wusste man, auch wenn man es nicht unbedingt wissen wollte, was der Kandidat vor dir gegessen hatte. Außerdem gab es keine Dusche. Und so durften wir uns in einer riesengroßen Badewanne waschen- dem See. In dem übrigens das Geschirr vom ungefähr 100 Menschen gewaschen wurde und in dem die Kinder badeten und gelegentlich auch mal die kleinen Geschäfte erledigt haben. Und wenn ich morgens um 7 Uhr aufwachte und den Reißverschluss des Zeltes öffnete, wurde ich bereits von einer Horde Kindern erwartet, die nur darauf warteten, dass Ich etwas auf meinem nicht ganz so bewundernswertem Russisch sagte, um mich dann auszulachen und mir zu sagen ich sei das lustigste Geschöpf was sie jemals kennengelernt hätten.

Ich muss zugeben, Ich war teilweise tierisch genervt, aber nur ein Blick in diese glücklichen Kinderaugen ließ all die Probleme und Unannehmlichkeiten vergessen und so konnten auch wir die Tage genießen. Die Tage vergingen wie im Flug und so nutze ich die letzte Zeit nochmal um mit den Kindern ganz persönlich zu reden, hierbei wurden viele Geschichten über ehemalige Familien, Freunde und das Leben anvertraut, die wirklich ans Herz gingen und mir zeigten, dass es schlimmeres gibt, als nach der Schule mal kein warmes Essen auf dem Tisch stehen zu haben oder Zehn Minuten auf Jemanden warten zu müssen. Denn diese Kinder sind froh, wenn sie überhaupt mal was zwischen die Zähne bekommen und diese Kinder warten nicht zehn Minuten auf Irgendjemanden, sondern sie warten schon seit Jahren, bis Ihre leibliche Mutter kommt, und sie für immer in die Arme schließt und ihnen sagt, dass sie sie liebt. Vielleicht schloss man deshalb alle diese Kinder in sein Herz ein. Das war nicht logisch- ich glaube es war Gottes Liebe- und das merkten auch die Kleinsten von ihnen, denn an unserem letzten gemeinsamen Abend bekehrten sich über 30 Kinder. Umso schwerer war der Morgen der Abfahrt. Die Waisen weinten und wollten unter keinen Umständen zurück in ihr Heim. Doch der Bus fuhr los und das einzige was wir noch tun konnten war winken und beten, dass Gott diese Kinder behüte und beschütze.

Ich habe aus diesen Kindern gelernt, dass man kein kluger Mensch sein muss, um zu wissen was Liebe ist und ich weiß nun, dass selbst eine Mutter ihrem eigenen Kind das Herz brechen kann. Aber Das Herz schlägt weiter und allein Jesus kann es heilen.
Die restlichen Tage verbrachten wir damit, uns bei 41 Grad im Schatten zu bräunen und uns in der königlichen Badewanne auszutoben. Nach acht Tagen räumten wir unsere Zelte ein und machten uns auf den Heimweg. Abgesehen davon, dass wir neun Stunden in der Sonne an der Grenze standen und dass wir in Polen einen kleinen Unfall hatten, können wir von einer guten Heimreise sprechen. Bessergesagt. Ich kann das, denn ich habe fast durchgehend geschlafen, ich bin höchstens mal aufgestanden um was zu snacken.

Nur einmal haben wir halt an einer Raststätte in Polen gemacht und ich weiß gar nicht mehr genau warum, aber ich habe meine halbausgetrunkene Wasserflasche mitgenommen und habe sie für höchstens eine Minute unbeaufsichtigt auf dem Tisch stehen lassen, und ich war mehr als verblüfft, als ich feststellte ,dass das Klischee über die so Klau freudigen Polen sich als Wahr erwiesen hatte, denn meine halbleere Wasserflache wurde tatsächlich geklaut. Ich machte mir ausnahmsweise mal nichts draus und setzte mich ohne meine halbleere Wasserflasche zurück in das Auto. Der Rest der Fahrt verlief reibungslos, ich vermisste zwar meine Wasserflasche aber wir kamen alle glücklich, zufrieden und dankbar zu Hause an. Ich war heilfroh meine Familie wieder in die Arme schließen zu können.

Und es klingt vielleicht ein wenig krankhaft, aber ich muss zugeben, dass ich mein Badezimmer noch nie so sehr vermisst hatte wie an diesen Tagen. Nachdem ich alle begrüßt hatte sprang ich unter meine heißgeliebte Dusche. Dabei erwies sich meine ach so schöne Bräune zwar nur als Schmutz, aber was soll’s. Es gibt wichtigeres. Jedenfalls wird diese Reise für immer in meiner Erinnerung bleiben und ich bin Gott sehr dankbar, dass ich all diese Erfahrungen machen durfte. Und ich möchte mit einem Bibelvers schließen, den ich nach der Ukraine erst richtig verstanden habe: ‚‚…Denn ihr wisst, dass ihr durch Christus etwas viel Besseres besitzt, einen bleibenden Wert… ‘‘ Hebräer 10,34(2)
Mach Christus zu deiner Nummer 1 im Leben. Du wirst genauso wie diese Kinder eine ewige Hoffnung haben. Er wird dich und dein Leben erfüllen und beleben, daran glaube ich felsenfest.
Angelika.